Ich habe mir vor einigen Wochen bei Ebay eine Pinhole (Lochkamera) zugelegt.
Es handelt sich dabei um eine Modifikation der AGFA CLACK (Mittelformat-Kamera für das Filmformat 6 x 9 cm, Rollfilm 120).
Inzwischen habe ich mit der Kamera 3 Filme verschossen, die aber erst noch entwickelt werden müssen. Sobald ich die Ergebnisse habe und sofern die Aufnahmen gelungen sind, poste ich die Fotos hier.
Vorab möchte ich aber die Kamera schon mal vorstellen und dabei auch gleich meine Erfahrungen mit dem Verkäufer, der auf EBAY unter dem Namen fuk1255 handelt, kund tun.
Noch bevor die Kamera geliefert wurde, bekam ich vom Verkäufer fuk1255 eine Mail mit ausführlichen Tipps zu Kamera, Belichtungsmessung, empfohlenem Filmmaterial und Hintergrundinfos zur Herstellung der Kamera selbst.
Klartext: ich bekomme keinen Cent dafür, wenn ich mich hier begeistert über diese Art von Support äußere! Ich freue mich einfach, wenn man in heutigen "Abzocker-Zeiten" noch auf Zeitgenossen trifft, die das, was sie machen, ernst nehmen und für erhaltenes Geld eine ordentliche Leistung erbringen.
Ich muss nicht betonen, dass die Ware schnellstens geliefert wurde und sich im tadellosen Zustand befand.
Doch nun genug der Lobgesänge...

Hier die nüchternen und dennoch spannenden Fakten zur Agfa Clack Pinhole:
(Text- und Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung durch Dr. Kai Fuhrmann, bei EBAY unter dem Nick-Name fuk1255 handelnd. Weitere Infos zu seinen Produkten und zahlreiche Tipps zu modifizierten Kameras findet ihr auf seiner Homepage
www.bkfu.de Mittelformat - Lochkamera (6x9)
Technische Daten zur AGFA CLACK PINHOLE:Kamera: Agfa Clack/modifiziert
Corpus/Filmbühne: Metall/Plastik
Objektivvorrichtung: pinhole-Universalverschluß pu(s)h (VA-Stahl); aufgesetzt auf VA-Frontplatte; Schiebeverschlußtechnik
Format: 6 x 9 cm Negativformat (handelsübliche Filme)
Blende: 186 bei idealem Lochdurchmesser 0,36mm
Lochdurchmesser: 0,36mm
Folienstärke: 0,04mm
'Brennweite': 67mm
Bildwinkel: Kamera 77 Grad bei 'Blende' 186 (entspr. ca. 25mm-Objektiv bei Kleinbildkamera)
Stativanschluß: vorhanden; 1/4 Zoll
Anzahl der Aufnahmen: 8
Besonderheiten: optischer Sucher, 'Fernrohrprinzip'
Filmtransportmechanismus über Spule
Schiebeverschluß arretierbar (Transportsicherung)
Aufwendige Fertigung: Sämtliche VA-Stahl-Einzelkomponenten sind jeweils aus einem Werkstück herausgelasert,
zerspant und vor dem Zusammensetzen glasgeperlt worden![/s]
Bitte beachten:Film einlegen: Verschlußhebel an der Unterseite der Kamera umlegen, Hinterteil abziehen, Rollfilm einspulen, Hinterteil aufsetzen, Verschlußhebel auf Position "Zu-Lock" stellen ...
Lochdurchmesser:
Lochdurchmesser von 0,2mm bis 0,45mm sind entspr. der gewünschten Effekte von "scharf" bis "stark impressionistisch" natürlich möglich. Belichtungszeiten entspr. berechnen !!
Die hier bei Auslieferung eingelegte Lochfolie hat eine 0,36mm-Bohrung, die mikroskopisch bei 125facher Vergrößerung geprüft worden ist!
Folienstärke:
Bis 0,2mm Stärke treten bei dieser 'Brennweite' physikalisch keinerlei Vignettierungseffekte auf. D.h., Sie können mit extrem dünnem Material ebenso experimentieren wie mit dickeren, 'nähnadelgelochten' Teelichtblechen. Bei diesem Gerät eingesetzt: eine 0,04mm starke Folie!
Stativanschluß nutzen:
Aufgrund von Belichtungszeiten jenseits einer Sekunde sollte die Kamera auf eine feste Unterlage bzw. auf Stativ gesetzt werden. Dies und die verwacklungsfreie pu(s)h-Verschlußtechnik garantieren eine gute Aufnahme. Ein Drahtauslöser ist hier absolut überflüssig...

Als Verschluß dient ein leichtgängiger horizontaler Schiebermechanismus - natürlich arretierbar.
Schieber herausgezogen - Kamera 'dicht' - Schieber hereingeschoben - Kamera offen.
Überlegungen zu Funktionalität und Design
Der Anwender möchte mit 'seiner' pinhole-Kamera experimentieren können und will unterschiedliches Folienmaterial mit diversen Lochgrößen ausprobieren, um 'seinen' eigenen pinhole-Stil zu finden.
Vor diesem Hintergrund erschien es mir wenig sinnvoll, nur die Linsen aus einer alten Clack herauszunehmen und hinter den Verschluß eine Folie zu kleben. Es darf gerne mehr sein...
Bei der vorliegenden Bauweise mußte daher die gesamte Optik und der Vorbau weichen.
1. Alle neuen Teile: VA-Stahl. Die Werkstücke wurden aus einem größeren Stück passend herausgelasert, dann recht aufwendig gefräst und letztlich glasgeperlt - daher der mattgraue 'look'.

2. Verschlußtechnik: Der leichtgängige Lochschieber bewegt sich sich in einer Einfräsung inmitten dreier VA-Stahlscheiben, die wiederum durch Nieten zusammengehalten werden.
D.h.: fester Sitz, kein Herausgleiten und kein Verwackeln beim Belichtungsvorgang!
3. Auf die im oberen Bild gut sichtbaren Gewindestangen wird der Foliensandwich in ein eigens gefrästes Rund gesetzt und mittels vier gerändelter Muttern sicher fixiert.
Da der sandwich vor dem Verschluß sitzt, ist ein Lochfolienwechsel bei lichtdichter Kamera jederzeit problemlos und schnell möglich.
In den sandwich gehört die Lochfolie (bis max. Durchmesser 20mm). Sie wird von zwei 1mm starken Scheiben mittels vier VA-Kreuzschlitzschrauben an- bzw. zusammengepresst.
Zum Folienwechsel reicht es, die vier Schrauben zu lösen und unter die Andruckscheiben Ihre Folie zu platzieren. Leichter geht's nicht...
Folienwechsel leicht gemacht:

4. Raum für Variationen:
Der gesamte pinhole-Kameravorbau ist von innen an die AGFA-Clack geschraubt. Die inwendigen Schraublöcher sind in jeder Clack vorhanden.
Zwei Überlegungen dazu:
Sollte die Clack irgendwann defekt sein, kann die gesamte pinhole-Vorrichtung binnen weniger Minuten an eine andere Clack gesetzt werden. Wollen Sie einmal etwas ganz anderes ausprobieren, montieren Sie den Vorbau an jedwede für die Lochphotographie vorgesehene Holzkamera. Der Bildwinkel des sandwiches beträgt beidseitig mehr als 150 Grad...

5. Design:
Die alte Clack hat einfach ein schlichtes, schönes Design - hier galt es, die eleganten Rundungen wieder aufzunehmen. Die große "U-Form" der Grundplatte ergab sich durch die Aussparung nach Demontage des alten Vorbaus, die aufgenietete darüberliegende Grundplatte ist tropfenförmig und läuft in der Flucht genau auf die Breite des Fernrohrsuchers zu. Der mattgraue Farbton korrespondiert farblich mit dem überdimensionierten AGFA-Filmspulknopf auf der Oberseite der Kamera...
Weitergehende Informationen, Musterphotos, bebilderte Konstruktionsdetails und Bedienungsanleitungen meiner diversen eBay-pinhole-Photographie-Artikel habe ich Ihnen auf einer Internetseite im deutschsprachigen web unter
bkfu zur Verfügung gestellt.
Soweit der Text von Dr. Kai Fuhrmann
Als Zugabe gab es ein Windows-Programm zur Um-/Berechnung der Belichtungszeiten.
Dieses Programm nennt auf Wunsch auch die aufgrund des Schwarzschildeffektes vorzunehmenden Zeitkorrekturen für die meisten handelsüblichen Filme.
Abschließend noch einige Tipps, die mir Dr. Fuhrmann per Mail mitteilte (denke, das dürfte jeden Pinhole-Fan interessieren...)
Zitat:
"Hier noch ein paar Tips zur gef. Verwendung:
FILM:
Probieren Sie 'mal den "FUJI Reala 100 120"
(die 100 meint 100 ASA). Tolle, satte Farben,
außerdem ist der Film sehr günstig.
(der günstigste Anbieter:
www.nordfoto.de - bei Hamburg;
Dort kann man auch anrufen, guter Service
mit Zeit für Beratung; kompetente Leute!!!)
Bei dem Reala nehmen Sie im beigelegten Belichtungsrechner-Programm
einfach die Einstellungen für den AGFA Optima 100.
Überhaupt - bei dem Programm ist der Filmtyp nicht so wichtig,
nur die richtigen ASA-Einstellungen und S/W- oder Farbfilm.
Ich hatte für einen anderen eBay-Kollegen unlängst eine PDF-Anleitung angefertigt. Für Sie in der Anlage:
BeliInfo.pdf
Den Lochkamera-Rechner zum Eingewöhnen finden Sie übrigens unter
www.ratzkowsky.de unter freeware.
FOLIE:
In die Kamera ist eine Folie mit 0,36mm Lochbohrung eingelegt.
Nehmen Sie bitte diesen Wert zur Berechnungsgrundlage.
Wenn Sie später beim Photographieren einige Sekunden zu lange belichten (z.B. statt 10 Sek. 15) - dem Reala macht es nichts aus.
[...]
Daher haben ein Metallbauer und ich die sandwich-Idee gehabt:
Folienwechsel und -reinigung jederzeit!!
Auch bei eingelegtem Film, da der Verschlußschieber HINTER dem sandwich sitzt!!
Die AGFA-Clack hat mit rund 65mm die ideale Brennweite, nicht nur zum Photographieren, das sehen Sie später an den Bildern, sondern auch für Experimente mit eigenen, gelochten Folien. Sollten Sie selber Löcher bohren wollen:
Empfehlenswert sind Lochgrößen zwischen 0,3 und 0,35mm.
Material: z.B. Messingblech aus dem Bastlergeschäft mit der üblichen 0,1mm Stärke
Man sollte nicht unter 0,3mm-Lochdurchmesser gehen - die Bilder werden wieder unscharf; alles dazu und wie es geht bei
www.die-lochkamera.deAch ja: Für unterwegs auf Reisen und eben zum Prüfen meiner Lochfolien hatte ich mir übrigens auf dem Flohmarkt ein Kindermikroskop geholt - geht bestens.
Ab und zu kann es sein, daß sich Fusseln oder kleine Metallpartikel von den Kanten in der Folienbohrung festsetzen: dann einfach die Folie in eine kleine Plastikfilmdose legen, etwas reinen Alkohol aus der Apotheke dazu und leicht schütteln.
BOHREN EIGENER LÖCHER - 0,3mm-BOHRER:
... finden Sie bei
webfoxxoder
http://www.micro-tools.com/Merchant2/d_drill.htmhat:
# 8280HDB, Bohrer Nr.80, 10er Packung
Bohrer Nr.80, 10er Packung. 0,3mm Durchmesser.
? 5.74
So... das war nun die technische Beschreibung der Agfa Clack Pinhole nebst Erklärungen und Tipps von Dr. Kai Fuhrmann [aka fuk1255]
An dieser Stelle nochmals meinen Dank an Dr. Kai Fuhrmann, dass ich seine technischen Angaben samt Fotos hier und in anderen Foren verwenden darf. Ich denke, auch wer sich keine Modifikation von ihm kauft, hat hier einen spannenden Einblick über die Konstruktion von Lochkameras gefunden.
Und wer kaufen will... ich kann diesem Ebay-Verkäufer nur die besten Noten ausstellen! Kompetent, seriös und sehr hilfsbereit! Niemand, der mal eben bei Ebay "nen flotten Euro" machen will, sondern der mit Herz und Verstand hinter dem steht, was er tut.
